Hella Manger-Kogler
Ein Leben für Pflege, Qualität und Schmerzmanagement
Hella Manger-Kogler (Geboren: 04.11.1944 Gestorben:11.07.2025) widmete einen großen Teil ihres beruflichen Lebens der Pflege, ihrer Weiterentwicklung und der Verbesserung der Betreuung pflegebedürftiger Menschen.
Als diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester sammelte sie zunächst praktische Erfahrungen, unter anderem im Bereich der Anästhesie. Später übernahm sie als Pflegedienstleiterin eines Seniorenwohnheimes Verantwortung für die Betreuung älterer Menschen.
Die tägliche Arbeit mit kranken und pflegebedürftigen Menschen führte sie zunehmend zu einer Frage, die sie noch viele Jahre beschäftigen sollte: Wie kann Schmerz bei älteren Menschen besser erkannt und behandelt werden?
Sie setzte sich intensiv mit dieser Thematik auseinander, nahm Kontakt zur Österreichischen Schmerzgesellschaft auf und absolvierte dort eine entsprechende Fortbildung. Das erworbene Wissen wollte sie nicht für sich behalten. Sie erkannte vielmehr, dass gerade Pflegepersonen eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung, Beobachtung und Begleitung von Menschen mit Schmerzen einnehmen.
Das Schmerzpraktikum für Pflegepersonal
Aus dieser Überzeugung heraus rief Hella Manger-Kogler das „Schmerzpraktikum für Pflegepersonal“ ins Leben. Ab dem Jahr 2000 wurde diese Fortbildung in Salzburg durchgeführt und über viele Jahre weiterentwickelt.
Hella Manger-Kogler verstand Schmerzmanagement von Anfang an nicht als rein medizinische Aufgabe. Ihr Ausbildungskonzept war interdisziplinär und für die damalige Zeit bemerkenswert umfassend.
Ein interdisziplinäres Ausbildungskonzept
Für die Fortbildung konnte sie Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten gewinnen. Medizin und Schmerztherapie, Pflege, Psychologie, Pflegewissenschaft, Pharmazie, Patientenvertretung, Sozialarbeit sowie Mitarbeiterführung und Personalentwicklung flossen in das Ausbildungskonzept ein.
Dadurch entstand eine Fortbildung, die medizinisches Fachwissen mit pflegerischer Praxis und psychologischen, sozialen und organisatorischen Aspekten verband.
Ein besonderer Stellenwert kam dabei auch der psychologischen Seite des Schmerzes zu. Schmerz sollte nicht ausschließlich als körperliches Symptom betrachtet werden, sondern als ein Geschehen, bei dem auch die persönliche und psychische Situation des Menschen eine wichtige Rolle spielt.
Ebenso wichtig war Hella die Umsetzung des Erlernten in der täglichen Praxis. Sie wusste, dass eine Veränderung in einer Pflegeeinrichtung nicht allein durch neues Fachwissen entsteht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen überzeugt, einbezogen und bei der Umsetzung begleitet werden.
Deshalb gehörten auch Mitarbeiterführung, Kommunikation, Überzeugungsarbeit und die praktische Umsetzung neuer Konzepte zu den Inhalten der Weiterbildung.
Das Ziel war somit nicht nur, Pflegepersonen über Schmerz zu informieren. Sie sollten das erworbene Wissen anwenden, weitergeben und in ihren Einrichtungen Veränderungen bewirken können.
Vom Schmerzpraktikum zum Schmerzmanagement
Das von Hella Manger-Kogler entwickelte Konzept wurde in den folgenden Jahren weiterentwickelt. Aus der ursprünglichen Fortbildung entstand schließlich die weiterführende Qualifikation zum Schmerzmanager beziehungsweise zur Schmerzmanagerin.
Damit erhielten Pflegefachkräfte zusätzliche Kompetenzen, um Schmerz professionell zu erfassen und zu beobachten, die Wirkung von Schmerztherapien zu beurteilen, Patientinnen und Patienten zu begleiten und gemeinsam mit anderen Berufsgruppen an der Verbesserung der Schmerzversorgung mitzuwirken.
Der Ansatz war für Hella Ausdruck eines grundsätzlichen Verständnisses von Pflege: Pflegepersonen sollten nicht nur Anordnungen ausführen, sondern ihr eigenes Fachwissen und ihre Beobachtungskompetenz aktiv in die Behandlung einbringen.
Engagement für die Professionalisierung der Pflege
Neben ihrem Engagement für das Schmerzmanagement setzte sich Hella Manger-Kogler auf breiter Ebene für die Weiterentwicklung der Pflege ein.
Sie qualifizierte sich zur akademisch geprüften Krankenhausmanagerin und zur Qualitätsbeauftragten im Sozial- und Gesundheitswesen. Ihre Erfahrungen aus der Pflege verband sie damit zunehmend mit Management, Qualitätsentwicklung und Weiterbildung.
Auch in der österreichischen Pflegevertretung übernahm sie Verantwortung. Als Vorsitzende der ARGE der Pflegedienstleitungen der stationären geriatrischen Einrichtungen Österreichs setzte sie sich für eine hohe fachliche Qualität in der Betreuung älterer Menschen und für die entsprechende Qualifikation des Pflegepersonals ein.
Dabei waren ihr nicht nur fachliche Standards wichtig. Auch Würde, Selbstbestimmung und die individuelle Betreuung pflegebedürftiger Menschen gehörten zu ihren Anliegen.
Wissen weitergeben
Mit der HMK Unternehmensberatung für stationäre geriatrische Einrichtungen verband Hella Manger-Kogler ihre Erfahrungen aus Pflege, Management und Qualitätsentwicklung. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen gab sie an Einrichtungen und Pflegefachkräfte weiter.
Auch als Autorin und Herausgeberin war sie tätig. 2009 erschien das Fachbuch „Schmerztherapie in der Pflege – Schulmedizinische und komplementäre Methoden“, an dessen Herausgabe sie beteiligt war.
Ihr berufliches Vermächtnis
Hella Manger-Koglers beruflicher Weg war geprägt von der Überzeugung, dass gute Pflege Wissen, Verantwortung und kontinuierliche Weiterentwicklung braucht.
Aus ihrer eigenen praktischen Erfahrung heraus erkannte sie eine Lücke in der Schmerzversorgung. Sie suchte nach Möglichkeiten, diese Lücke zu schließen, eignete sich zusätzliches Wissen an und entwickelte daraus eine Fortbildung, die Pflegepersonen gezielt für den Umgang mit Schmerz qualifizierte.
Das „Schmerzpraktikum für Pflegepersonal“ war damit mehr als eine Fortbildungsveranstaltung. Es war Ausdruck ihres Verständnisses von moderner Pflege: interdisziplinär, fachlich fundiert, praxisorientiert und auf die Bedürfnisse des Menschen ausgerichtet.
Ihr besonderes Verdienst liegt darin, dass sie verschiedene Fachbereiche zusammenführte und daraus ein Ausbildungskonzept entwickelte, das nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch dessen Umsetzung in der Pflegepraxis ermöglichen sollte.
Hella Manger-Kogler hat damit Spuren hinterlassen – in der Pflege, in der Aus- und Weiterbildung, im Qualitätsmanagement und besonders in der Entwicklung des professionellen Schmerzmanagements.
Ihr berufliches Wirken bleibt ein Teil jener Entwicklung, durch die Schmerz in der Pflege bewusster wahrgenommen, systematischer erfasst und umfassender behandelt wird.
